Unsere „wahre“ Berufung

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    Elder Massimo De Feo Gebietssiebziger, Italien

    Als meine Frau und ich beim Interview für unsere jetzige Berufung waren, stellte sie die Frage: „Was ist denn unsere wichtigste Aufgabe?“ Die Antwort war ebenso direkt wie aufschlussreich. „Sie sind Missionare!“ Diese einfachen Worte veranlassten mich, über das wahre Wesen einer jeden Berufung einmal gründlich nachzudenken.

    Im Allgemeinen beschränken wir unsere Leistungen jedes Mal, wenn wir eine Berufung erhalten, auf die Vorstellungen, die wir von ihr haben. Anders ausgedrückt: Ein Ältestenkollegiumspräsident glaubt, er sei in erster Linie für die Ältesten in seinem Kollegium verantwortlich. Eine PV-Leiterin denkt vor allem an die Kinder, und in allen übrigen Berufungen verhält es sich ebenso. In Wirklichkeit aber gibt es für alle Berufungen eine gemeinsame Grundlage – eine Berufung innerhalb der Berufung, sozusagen die wahre Berufung.

    Der Herr macht uns diesen Grundsatz deutlich. „Darum stelle ich, der Herr, euch diese Frage: Wozu seid ihr ordiniert worden? Dass ihr mein Evangelium … predigt.“ (LuB 50:13,14.) Der Prophet Joseph Smith hat erklärt: „Nach allem, was gesagt worden ist, bleibt als größte und wichtigste Aufgabe, das Evangelium zu predigen.“ (Joseph Smith, Hístory of the Church, 2:478.) Deshalb hat ein jeder von uns ungeachtet der Berufung, in die er eingesetzt wurde, oder des Amtes im Priestertum, zu dem er ordiniert wurde, die „wahre“ Berufung, das Evangelium zu predigen. Und so ist ein Siebziger ebenso ein Missionar wie ein Pfahlpräsident, ein Bischof oder jedes andere Mitglied der Kirche. Wir alle sind als Missionar berufen, weil dies das wahre Wesen einer jeden Berufung im Reich Gottes ist.

    „Darum stelle ich, der Herr, euch diese Frage: Wozu seid ihr ordiniert worden? Dass ihr mein Evangelium … predigt.“ (LuB 50:13,14.)

    „Nach allem, was gesagt worden ist, bleibt als größte und wichtigste Aufgabe, das Evangelium zu predigen.“ (Joseph Smith, Hístory of the Church, 2:478.)

    Der Herr hat beschlossen, das Erlösungswerk in der heutigen Zeit zu beschleunigen. Überall in den Zionsgemeinden und -pfählen in Europa, wo wir uns auch umsehen, erleben wir wunderbare Bekehrungen. Viele nehmen das Evangelium freudig und folgsam an. Viele bitten sogar spontan darum, durch die Taufe in Gottes Reich aufgenommen zu werden. Ich bin immer noch sehr gerührt, wenn ich daran denke, was für ein starkes Zeugnis eine liebe Schwester bei einer Konferenz gegeben hat. Sie sprach darüber, wie sie den Wunsch verspürt hatte, einer Nachbarin zu helfen, die sich infolge eines Unfalls nicht mehr selbst versorgen konnte. Als sie ihr half, begegneten ihr bei dieser Nachbarin etliche Besucher, darunter auch ein paar junge Amerikaner. Sie fragte nach, was das alles für Leute waren, und erfuhr, dass es Glaubensgenossen der Nachbarin waren und dass die Amerikaner Missionare waren. Als ein Mitglied der Kirche sich später bei der Nachbarin erkundigte, wie man der Frau für ihre großzügige Hilfe danken könne, erwiderte diese lediglich: „Ich will weder Geld noch Geschenke, aber eines können Sie doch für mich tun, wenn Sie mir wirklich danken wollen. … Ich möchte Ihre Missionare kennenlernen.“ Eine Woche später ließ sie sich taufen, und ihr Mann und ihr Sohn folgten ihr kurz darauf nach. Der Herr hatte eine ganze Familie vorbereitet, sich der Kirche anzuschließen.

    Diese Zeit ist eine Zeit voller Wunder. Der Herr bereitet unsere Freunde, Verwandten und Nachbarn innerlich vor wie nie zuvor. Wenn uns das wahre Wesen unserer Berufung bewusst ist, werden unsere Bemühungen groß gemacht und vervielfältigt. Auf Mission erklärte ich das Evangelium einem jungen Mann, der dann selbst eine Mission antrat, als ich noch auf Mission war. Ich hätte nie gedacht, dass ich das Evangelium einmal einem jungen Mann erklären würde, der seinerseits als Missionar Einfluss auf viele andere haben würde – so, wie seine Kinder nach ihm und meine Kinder nach mir, einer geistigen Kette gleich, die kein Ende hat. Letzten Endes wird uns völlig unbegreiflich bleiben, welche Bedeutung das, was wir als Missionare unternehmen, in der Ewigkeit hat.

    Ammon konzentrierte sich in seinen missionarischen Bemühungen auf eine einzige Familie, die des Königs Lamoni, und die Segnungen erstreckten sich nachher auf ein ganzes Volk (siehe Alma 19:36). So kann es auch uns in dieser Zeit voller Wunder ergehen, wenn wir nur den Mund aufmachen. Mögen wir das wahre Wesen unserer Berufung als Missionar erkennen, die wahre Berufung innerhalb der Berufung, und uns bewusst sein, dass viele Menschen innerlich vorbereitet wurden und der Herr unsere Bemühungen segnen wird und unseren Einfluss in der Ewigkeit vervielfältigen wird. Wir alle sind als Missionar berufen. Jetzt ist es an der Zeit, sein Werk zu vollbringen. „Blickt in jedem Gedanken auf mich; zweifelt nicht, fürchtet euch nicht.“ (LuB 6:36.)