Botschaft von der Gebietsführerschaft

    Unser Glaube an den Herrn Jesus Christus

    von Elder Michael Cziesla

    Der Apostel Thomas berührt die Wundmale Jesu
    Der Apostel Thomas berührt die Wundmale Jesu

    Der Glaube an Jesus Christus und eine persönliche Verbindung zu ihm ist in unserem Leben von zentraler Bedeutung. Im vierten Glaubensartikel lesen wir, dass der „Glaube an den Herrn Jesus Christus“ zu den ersten Grundsätzen des Evangeliums gehört.i Häufig reden wir verkürzt vom Glauben als diesem ersten Grundsatz. Tatsächlich steht der Glaube hier nicht isoliert, sondern ist gerichtet auf Jesus Christus und unser persönliches Zeugnis davon, dass er für jeden von uns unser Erretter und Erlöser ist.

     

    Der Glaube an Christus gibt uns Freude, Hoffnung und Zuversicht sowie „die Stärke, in jedem wichtigen Augenblick unseres Lebens zu bestehen“ii. Dennoch wird manchmal der Glaube auch der stärksten Jünger des Herrn geprüft. Das darf uns nicht wundern, sondern sollte Ansporn sein.

     

    Wir alle kennen die Begebenheit des Apostels Thomas.iii Die Jünger, denen der Herr nach seiner Auferstehung erschien, berichteten Thomas: „Wir haben den Herrn gesehen.“ Thomas, der nicht dabei war, entgegnete ihnen: „Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich's nicht glauben.“ 

    Elder Czisela Intellectual Reserve
    Elder Michael Cziesla Gebietsautorität

    Acht Tage später erschien der Herr erneut den Aposteln und sagte zu Thomas, der diesmal anwesend war: „Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ Thomas war überwältigt und konnte nur noch sagen: „Mein Herr und mein Gott!“ – worauf Jesus die bekannten Worte sprach: „Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“

    Wenn wir diese Geschichte hören, wundern wir uns vielleicht über Thomas und wieso sein Glaube so vermeintlich „klein“ war. Er war ein Apostel und hatte Christus begleitet, viele Wundertaten gesehen und sicherlich ein festes Zeugnis von den Lehren des Herrn. Was Thomas erlebt hat, ist aber nicht so fern von den Herausforderungen, denen jeder von uns sich in einer immer stärker alles in Frage stellenden Welt gegenübersieht.

    So wie das junge Mitglied, das in der Kirche aufwuchs, die Prinzipien des Evangeliums von klein auf verinnerlicht hatte und ihnen folgte, aber dennoch irgendwann an den Punkt kam, des eigenen Glaubens nicht mehr sicher zu sein. Seine Erfahrungen mit dem Evangelium beruhten – vielleicht ähnlich wie bei Thomas – vornehmlich auf einem intellektuellen Verständnis der Lehren und Prinzipien oder lieb gewonnenen Traditionen und nicht auf einer beständigen Herzenserfahrung. Als es dann auf Themen der Lehre und der Geschichte stieß, die es nicht unmittelbar verstehen konnte, erschütterte dies dessen Glauben. Das junge Mitglied fragte mich in einem persönlichen Gespräch verunsichert, wie es wirklichen Glauben an Christus entwickeln kann. Ich möchte Ihnen diese Frage beantworten, wie ich sie diesem jungen Mitglied beantwortet habe. Es gibt hierzu ein Muster, das der Herr in den Schriften und durch seine Propheten offenbart hat.iv Dieses Muster ist anwendbar für jeden von uns. Den, der zweifelt oder sucht, genauso wie für den, der geprüft ist oder einfach seinen Glauben an den Herrn Jesus Christus beständig nähren möchte.

     

    Der Prophet Enos im Buch Mormon betete um Glauben
    Der Prophet Enos im Buch Mormon betete um Glauben

    Das Muster findet sich beispielsweise in der wunderbaren Bekehrungsgeschichte von Enos. Welche Schritte ist Enos gegangen: (1) Enos hörte die Evangeliumswahrheiten von seinem Vater, versuchte zu verstehen und ließ sich das, was sein Vater gesagt hatte, „tief ins Herz“v dringen. (2) Enos gehorchte Gottes Geboten, was ihn in die Lage versetzte, für den Heiligen Geist empfänglich zu sein. (3) Enos‘ „Seele hungerte“vi. Er war von dem Wunsch erfüllt, selbst herauszufinden, ob das, was er gelernt hatte, wahr ist. (4) Enos ging zur Quelle aller Wahrheit: „Ich kniete vor meinem Schöpfer nieder, und ich schrie zu ihm in machtvollem Gebet und voll Flehen für meine eigene Seele; und den ganzen Tag lang schrie ich zu ihm; ja, und als die Nacht kam, ließ ich meine Stimme noch immer erschallen, sodass sie die Himmel erreichte.“vii Es war für Enos nicht leicht. Enos beschreibt seine Erfahrung als einen „Kampf …, den [er] vor Gott gehabt“viii hat. Doch der Einsatz hat sich gelohnt – die persönliche Bestätigung in seinem Herzen kam.

    Diesen geistigen Kampf führt jeder von uns auf dem Weg eines Jüngers zum wahren Glauben an den Herrn Jesus Christus – leider gibt es keine Abkürzung. Für manche von uns ist dieser Weg mit schweren persönlichen Krisen oder Herausforderungen verbunden. Andere haben besondere geistige Erlebnisse im Tempel, beim Abendmahl, beim Gebet oder im Studium der heiligen Schriften – aber jeder von uns muss nach diesen persönlichen Erfahrungen aktiv suchen. Das alles kostet Zeit und ist manchmal mit einer längeren Durststrecke verbunden und geistig anstrengend – „Aber wenn ihr das Wort nährt, ja, den Baum nährt, wenn er zu wachsen anfängt, durch euren Glauben, mit großem Eifer und mit Geduld, und nach seiner Frucht ausschaut, wird er Wurzel fassen; und siehe, es wird ein Baum sein, der zu immerwährendem Leben emporsprosst.“ix

    Wirklicher Glaube an den Herrn Jesus Christus fordert beständig „Eifer und Geduld“, ein „reuiges Herz und einen zerknirschten Geist“x und unseren eigenen geistigen Kampf vor Gott. Ich kann Ihnen aber voller Liebe bezeugen, dass es die Sache wert ist, diesen Weg zu gehen. Die Freude und Sicherheit, die folgt, ist wunderbar und allumfassend. „Sicherheit erlangen wir nicht durch unerschöpflichen Reichtum, sondern durch unauslöschlichen Glauben.“xi Wenn wir voll Glauben um die Erkenntnis bitten, dass Jesus Christus unser Erretter ist, wird eine ganz persönliche Antwort kommen, „die höchst kostbar ist, die süßer als alles Süße ist und die weißer als alles Weiße ist, ja, und reiner als alles Reine; und ihr werdet euch an dieser Frucht laben, selbst bis ihr satt seid, sodass ihr nicht hungert, und auch dürsten werdet ihr nicht“xii. Diese persönlichen Herzenserfahrungen sind die unerschütterliche Quelle nachhaltigen Glaubens an den Herrn Jesus Christus.“xiii


    Anmerkungen

    i 4. Glaubensartikel

    ii Dallin H. Oaks, Frühjahrs-Generalkonferenz 1994; vgl. auch Moroni 7:33

    iii Johannes 20:25-29

    iv Vgl. z.B. Römer 10:14-17, 3 Nephi 18:20, Moroni 10:3-5, 2 Nephi 31:20; siehe auch Russell M. Nelson, „Offenbarung für die Kirche, Offenbarung für unser Leben”, Liahona, Mai 2018, Seite 93

    v Enos 1:3

    vi Enos 1:4

    vii Enos 1:4

    viii Enos 1:2

    ix Alma 32:41

    x 2 Nephi 2:7

    xi Teachings of Spencer W. Kimball, Hg. Edward L. Kimball, Seite 72f.

    xii Alma 32:42

    xiii Vgl. Russell M. Nelson, „Offenbarung für die Kirche, Offenbarung für unser Leben”