Die Segnungen aus dem Gesetz des Zehnten

    Botschaft von der Gebietsführerschaft

    Elder Gary B. Sabin
    Elder Gary B. Sabin Präsident des Gebiets Europa

    Vor vielen Jahren führte Präsident Gordon B. Hinckley als Pfahlpräsident mit einem Mann ein Tempelinterview. Als Präsident Hinckley ihn fragte, ob er den vollen Zehnten zahle, antwortete er, dass er dies nicht tue, weil er zu viele Schulden habe. Präsident Hinckley fühlte sich gedrängt, ihm zu sagen, dass er nicht in der Lage sein würde, seine Schulden abzubezahlen, wenn er nicht den Zehnten zahle. 

    Später erzählte er Präsident Hinckley, dass es ihm in den darauffolgenden Jahren trotz großer Anstrengungen nicht gelungen war, seine Schulden abzubauen. Schließlich hatten er und seine Frau den Entschluss gefasst, die Verheißung des Herrn auf die Probe zu stellen. Der Mann sagte: „Irgendwie hat uns der Herr auf eine Weise gesegnet, die wir nicht ganz verstehen können. Wir haben das, was wir ihm gegeben haben, nicht vermisst. Und zum ersten Mal seit vielen Jahren wird unsere Schuldenlast geringer.“ Dem Mann und seiner Frau gelang es schließlich, im Rahmen ihrer Mittel zu leben, doch was noch viel wichtiger ist: Das Bewusstsein, dass sie ihre Verpflichtung gegenüber dem Herrn in allen Ehren einhielten, verschaffte ihnen Frieden.1 

    Als junger Bischof habe auch ich einmal einem Mitglied einen Rat in Hinblick auf den Zehnten gegeben. Auf mich war ein Neubekehrter zugekommen, der sich in einer echten Zwangslage befand: Er hatte nicht genug Geld, um seine Einkommenssteuer und seinen Zehnten zu zahlen. Ich fragte ihn nur: „Glauben Sie, dass das Evangelium wahr ist?“ Er bejahte dies und kam dann schnell zu dem Schluss, dass das Zeugnis, das er gerade gegeben hatte, seine Antwort war. Ein paar Wochen später kam er wieder zu mir und berichtete, dass sein Steuerberater einen Fehler gemacht und sein durchschnittliches Einkommen nicht richtig berechnet habe. Seine Steuerschuld reduzierte sich danach um mehr als den Zehnten, den er gezahlt hatte. Ich denke, der Glaube dieses guten Bruders hat den Himmel dazu bewogen, seinem Steuerberater eine zündende Idee einzugeben – eine Erleuchtung, zu der es meiner Meinung nach sonst nicht gekommen wäre. 

    Beim Zehnten kommt es mehr auf den Glauben als auf das Geld an. Gott ist unser Gehorsam und die Auswirkung, die es auf unsere Seele hat, wenn wir ehrlich den Zehnten zahlen, viel wichtiger als der Betrag, den wir zahlen. Dadurch zeigen wir, dass wir unser Vertrauen in Gott und seine Verheißungen setzen. Wir können nicht wie der Mann sein, der vor einem Feuer saß und sagte: „Gib mir Wärme und ich werde dir Holz geben.“ Moroni hat gesagt: „Ein Zeugnis empfangt ihr erst, nachdem euer Glaube geprüft ist.“2

    Das Evangelium folgt nicht menschlicher Logik. Bedenken Sie: „Die Letzten [werden] Erste sein“3, „die Schwachen [werden] die Weisen beschämen“4, „wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es finden“5, und „geben ist seliger als nehmen“6. Nirgends tritt dieser geistige Widerspruch deutlicher zutage als beim Gesetz des Zehnten, weil wir tatsächlich mehr haben, wenn wir mehr geben. Das liegt daran, dass die Wege des Menschen nicht Gottes Wege sind und dass Gott das Steuer in der Hand hat.

    Der Zehnte ist niemals eine Last. Vielmehr ist er ein Segen, weil wir mit dem Herrn an unserer Seite stets besser sind als ohne ihn. Der Zehnte ermöglicht geistige Zuversicht, durch die wir zahlreiche andere Segnungen erhalten können, zum Beispiel geistiges Feingefühl, Dankbarkeit und Nächstenliebe. Kurz gesagt: Wenn wir das Gesetz des Zehnten halten, empfangen wir materiellen Schutz und geistigen Frieden, weil unser Vertrauen in der Gegenwart Gottes stark wird.7

    Ich möchte noch ergänzen, dass es meiner Erfahrung nach ebenfalls wunderbare Segnungen mit sich bringt, wenn man großzügig Fastopfer zahlt. Wir tun gut daran, großzügig zu sein, wenn wir denjenigen helfen, denen es nicht so gutgeht wie uns, denn dann wird auch der Herr uns gegenüber großzügig sein.

    Gott möchte uns unbedingt in all unseren Lebenslagen helfen, wenn wir uns an seine Gebote halten, Glauben üben und auf die von ihm verheißenen Segnungen bauen.

    Anmerkungen

    1. Siehe Präsident Gordon B. Hinckley, Ensign, Mai 1982

    2. Ether 12:6

    3. Matthäus 20:16

    4. Siehe Lehre und Bündnisse 133:58

    5. Matthäus 10:39

    6. Apostelgeschichte 20:35

    7. Siehe Lehre und Bündnisse 121:45