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Wie wir zeitlich eigenständiger werden

Ein weiser Umgang mit unseren persönlichen finanziellen Mitteln kann uns zu mehr Eigenständigkeit führen.
Elder Christopher Charles
Elder Christopher Charles, Gebietssiebziger, Großbritannien

In Großbritannien beginnt am 6. April das neue Steuerjahr. Da ich pensionierter Finanzberater bin, ist dieses Datum also für mich nicht nur in geistiger Hinsicht von Bedeutung. Ich erinnere mich noch gut, welche Vorbereitungen nötig waren, um die steuerlichen Verbindlichkeiten der Kunden möglichst gering zu halten und sicherzustellen, dass alles für das neue Steuerjahr bereit war. Es war ein Prozess, der das ganze Jahr andauerte und der der Zusammenarbeit und Vorbereitung bedurfte.

 

Bei der zeitlichen Eigenständigkeit ist das genauso. Sie bedarf der Vorbereitung und ist ein Prozess, kein einmaliges Ereignis. Wenn wir doch nur einmal im Jahr intensiv Sport machen und das dann für den Rest des Jahres abhaken könnten!

 

Doch das geht nicht. Zeitliche Eigenständigkeit, die Fähigkeit, für uns selbst, unsere Familie und andere zu sorgen, ist etwas, womit man ein Leben lang befasst ist. Man muss hart dafür arbeiten, beten, studieren und nachdenken. Man braucht Entschlossenheit und vor allem Glauben und Selbstbeherrschung.

 

Hier möchte ich auf private Finanzen eingehen, ein Aspekt der zeitlichen Eigenständigkeit.

 

Uns wurde gesagt: „Wenn ihr bereit seid, werdet ihr euch nicht fürchten.' (siehe Anmerkung 1). Wir erlangen Glauben, wenn wir auf die Führer der Kirche hören und ihrem inspirierten Urteil vertrauen. Sie haben uns beispielsweise geraten, Schulden zu vermeiden (oder diese schnell abzuzahlen), indem wir nicht über unsere Verhältnisse leben und den Zehnten und das Fastopfer zahlen, damit der Herr uns „die Schleusen des Himmels“ (siehe Anmerkung 2) öffnen kann.

 

Ich habe viele Mitglieder beraten, die finanziell in Schwierigkeiten steckten. Man kann es ein bisschen mit dem Aufstellen eines Diätplans vergleichen. Die Leute beginnen voller Elan, aber sie geben so schnell auf, dass sie dem Ganzen nicht einmal eine Chance gegeben haben. Nur wenige haben die Grundsätze, die ihnen nahelegt wurden, lange genug angewendet, dass sie auch Wirkung zeigen konnten. „Du hast uns Hartes verkündet, mehr als wir ertragen können.“ (siehe Anmerkung 3)

 

Ein Kunde von mir, eine kleine Firma, war sehr gut aufgestellt, doch der Direktor kaufte gegen meinen Rat einen 70.000 Pfund teuren BMW. Sein Nachbar hatte doch einen! Ich sagte ihm, er werde das Auto bald nicht mehr zu schätzen wissen, aber das Geld werde ihm sehr fehlen. Bald darauf rief er mich an.

 

„Sie hatten Recht“, sagte er zu mir, „es ist nur ein Stück Metall und nun können wir diesen Monat unsere Schulden nicht bezahlen.“

 

Die Firma ging bankrott, und das Schlimme daran war, dass es nicht hätte sein müssen.

 

Wenn wir etwas kaufen, nur um andere zu beeindrucken, wollen wir lediglich unser Image wahren. Ich nenne das „für andere kaufen“. Stolz, Selbstsucht, wie man es auch noch nennen mag, kann schwerwiegende Folgen haben.

 

Stellen wir die Begebenheit oben dem „geizigen Nick“ aus Portugal gegenüber, der nach England kam, um dort eine Arbeit zu finden. Er war verheiratet und noch keine 30 Jahre alt. Ich gab ihm seinen ersten Kredit. Er arbeitete hart, war aber unter seinesgleichen als knausriger Kerl bekannt. Daher der Spitzname. Er führte seine Frau nie zum Essen aus, machte nie Urlaub und kaufte keine Geschenke. Er arbeitete nur unablässig.

 

Binnen weniger Jahre zahlte er seinen Kredit ab und sparte genug Geld, um zurück nach Portugal zu gehen, ein Haus für seine Familie zu bauen und zwei Wohnungen zu kaufen, die er vermietete. Als ich zuletzt von ihm hörte, hatte er gerade eine neue Firma gegründet. Der „geizige Nick“ war gar nicht geizig. Er hatte Weitblick, er setzte sich Ziele und brachte Opfer, um seiner Familie Sicherheit zu geben. Er kaufte nur, was er wirklich brauchte. Seine Wünsche mussten warten.

 

Und was ist mit uns? Kaufen wir „für andere“ oder haben wir genug Geduld und warten, damit wir keine Schulden machen müssen außer für Wesentliches – vielleicht für ein Studium, ein Haus oder ein einfaches Auto? Und selbst diese zahlen wir schnell zurück. Natürlich zahlen wir unseren Zehnten und das Fastopfer. Ich bezeuge Ihnen, dass der Herr uns wahrhaftig segnet und es uns wohl ergeht, wenn wir gehorsam sind. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.

 

Wenn wir mit einem Fuß in der Welt des Materiellen stehen, das wir uns nicht leisten können, ziehen wir den Fuß doch schnell wieder zurück. Ein Kredit soll nur für das Wesentliche aufgenommen werden, auch wenn Sie ein neues Sofa gebrauchen könnten. Entscheiden Sie, was Sie wollen, setzen Sie sich Ziele und stellen Sie einen Plan auf, wie Sie Ihre Wünsche mithilfe eines Budgets verwirklichen können. Beten Sie und arbeiten Sie daran. Das ist das Erfolgsrezept.

 

Anmerkungen

1. Lehre und Bündnisse 38:30

2. Maleachi 3:10

3. 1. Nephi 16:1