Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Erklärung zu Polygamie von Michael Otterson, Pressesprecher der Kirche (April 2008)

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Deutsche Übersetzung

Interviewer:

„Auf der ganzen Welt sind hunderte Nachrichtenmeldungen darüber erschienen, was sich vor kurzem in Texas ereignet hat, und in einigen dieser Meldungen werden diejenigen, die die Polygamie betreiben, als Mormonen bezeichnet. Was hält die Kirche von der bisherigen Berichterstattung in den Medien?“

Mike Otterson:

"Wenn man in den Medien oder ganz allgemein in der Öffentlichkeit diese Polygamistengruppen als Mormonen bezeichnet, sind wir immer davon betroffen. Ich muss sagen, dass die Berichterstattung in den letzten Wochen oder vielmehr in der Zeit, seit bekannt wurde, dass gegen diese Polygamisten in Texas eine Razzia durchgeführt wurde, ziemlich gut war.

Vor allem in den Vereinigten Staaten war sie sogar sehr gut. CNN und Associated Press, USA Today und das National Public Radio haben sich alle die größte Mühe gegeben, zwischen den 13 Millionen Mitgliedern der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, einer weltweit verbreiteten Religion – viertgrößte Glaubensgemeinschaft in den Vereinigten Staaten – und diesen verschlossenen, kleinen Polygamistengemeinschaften eine Trennlinie zu ziehen.

Ich wünschte nur, auch die breite Öffentlichkeit würde eine derart klare Trennlinie ziehen, denn offen gestanden löst das Thema immer noch Irritationen aus, obwohl die Kirche, unsere Kirche, die Polygamie schon vor gut über hundert Jahren abgeschafft hat. 1890 bereits hat die Kirche die Polygamie offiziell abgeschafft, und wenn ein Mitglied sie heute praktizieren wollte, würde es ausgeschlossen. So etwas wird nicht geduldet. Aber wenn man in der Öffentlichkeit an die Mormonen denkt, dann stellt man sich einen Missionar vor, der an eine Tür klopft, oder man denkt an den Tabernakelchor oder vielleicht auch an den Mormonentempel auf dem Tempelplatz.

Man hat also ein bestimmtes Bild im Kopf, eine Vorstellung davon, was der Begriff Mormone bedeutet, und wenn die Medien diese Fundamentalistengruppen dann gelegentlich als Mormonen bezeichnen, wenn sie von fundamentalistischen oder polygam lebenden Mormonen sprechen, dann sorgt das in der Öffentlichkeit für gewaltige Irritationen.

Und das irritiert wiederum uns, denn wir haben uns nun wirklich seit Jahren schon sehr bemüht, den Unterschied klar herauszustellen. Hie und da sind bei der ausländischen Presse immer noch Irrtümer im Umlauf. Mir fallen da Meldungen aus Russland und aus Frankreich ein.

Beispielsweise platzierte die französische Nachrichtenagentur AFP ein Foto unseres Tempels neben ihren Bericht über die Razzia gegen die Polygamistengruppen in Texas. So etwas ist eigentlich unverzeihlich. Drei Tage lang mussten wir auf sie einreden, auf das Bild zu verzichten, bis sie schließlich einlenkten und eine Klarstellung veröffentlichten.

Es gibt also immer noch Irritationen, obwohl die meisten Medienvertreter inzwischen Bescheid wissen. Ich glaube, in der Öffentlichkeit fragt man sich immer noch: Seid ihr das nicht? Das sind doch die Mormonen, oder nicht?

Ich möchte darum so unmissverständlich, wie es nur geht, klarstellen, dass die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, die weltweit operierende Organisation, der ich angehöre und die in neunzig Sprachen das Evangelium verkündet, die in fast jedem Land der Welt Mitglieder hat, die die Brigham-Young-Universität unterhält und überall auf der Welt viel humanitäre Hilfe leistet, mit nichts weniger vergleichbar ist als mit diesen kleinen Polygamistengruppen, die verstreut in den Rocky Mountains und bis hinauf nach British Columbia leben.

Wenn die Öffentlichkeit doch nur begriffe, dass wir nicht wie diese Leute aussehen, dass wir uns nicht wie sie kleiden, dass wir Gott nicht auf dieselbe Weise verehren, dass wir nicht dasselbe glauben und dass der Begriff Mormone niemals für diese Polygamistengruppen verwendet werden sollte! Wenn uns das gelänge, wenn wir diese Schlacht gewönnen, dann hätten wir wirklich viel erreicht."

 

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