Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Erklärung zu Polygamie von Elder Quentin L. Cook, Mitglied des Kollegiums der zwölf Apostel (April 2008)

Leider kann der Film nicht abgespielt werden, da kein Flash-Player installiert ist. Diesen können Sie hier herunterladen.

 

Zurück zum Artikel

Deutsche Übersetzung

Interviewer:

"Was stört Sie daran, wenn Leute, die polygam leben, als Mormonen bezeichnet werden?"

Elder Cook:

"Zunächst einmal löst so etwas eine Menge Irritationen aus. Kürzlich rief uns eine größere Nachrichtenagentur an, die von uns eine Dreherlaubnis für den Tempel einer Polygamistengruppe haben wollte, mit der wir überhaupt nichts zu tun haben. Ein anderer, hoch angesehener Nachrichtendienst druckte ein Bild eines unserer Tempel – des Salt-Lake-Tempels – ab und daneben einen Bericht über eine Polygamistengruppe. Solche Irritationen sind natürlich nicht in unserem Sinne und sie gestatten es dem Leser auch nicht, Unterschiede zu erfassen. Was für Unterschiede meine ich? Die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage – oft auch als Mormonen bezeichnet – betätigen sich nicht als Polygamisten und haben dies seit über hundert Jahren nicht getan. Den Begriff "Mormonen" in Zusammenhang mit Leuten zu verwenden, die polygam leben, ist nicht nur für die Öffentlichkeit sehr verwirrend, sondern bereitet auch der Kirche große Sorgen, weil unsere Mitglieder keine Polygamisten sind und der Leser diesen wichtigen Unterschied nicht erkennen kann. Wenn man bedenkt, dass die Kirche 13 Millionen Mitglieder hat, nehmen sich die meisten Polygamistengruppen sehr klein aus. Der Unterschied zu ihnen wird nicht klar ersichtlich, und es ist nicht hilfreich, wenn man den Begriff "Mormonen" ins Feld führt. Ich möchte daher an die Medien einen Appell richten. Wir sind ja mit ihnen zusammengekommen, und größtenteils geben sie ihr Bestes. Aber ich möchte doch im Namen der Kirche einen Appell an sie richten, diesen Unterschied klar hervorzuheben und den Begriff "Mormonen" nicht mit Polygamie in Verbindung zu bringen, die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage – die Kirche der Mormonen – also nicht mit Polygamie gleichzusetzen. Das sind zwei ganz verschiedene Dinge, und wenn man darauf verzichten könnte, könnte jeder die Sachlage besser einschätzen, und dafür wären wir dankbar.

Die Kirche hat heute knapp über 13 Millionen Mitglieder, die überall auf der Welt zu Hause sind. Über die Hälfte von ihnen leben außerhalb der Vereinigten Staaten, und die Bekehrten machen eine erkleckliche Anzahl aus – seit 1987 ist die Kirche von etwas mehr als 6 Millionen Mitgliedern auf heute über 13 Millionen angewachsen. Es besteht keinerlei Verbindung zu irgendwelchen Polygamistengruppen. Die [Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage] gehören dort, wo sie leben, zum Durchschnitt der Bevölkerung, und doch erscheinen manchmal – mitunter wohl aus Unkenntnis – in den Medien Berichte, die den Anschein erwecken, als hätten wir etwas mit irgendeiner Polygamistengruppe zu tun, die zur gegebenen Zeit gerade im Brennpunkt des Interesses steht. Beispielsweise erschien gerade erst in einer sehr guten australischen Zeitung ein Artikel, worin es im ersten Absatz hieß: ,Eine Kindheit in einer fundamentalistischen Mormonengemeinschaft bedeutet wenig Bildung, regelmäßig Prügel, zwangsweise Mitarbeit im Haushalt und für Mädchen eine arrangierte Ehe im Teenageralter, die in eine lebenslange Abhängigkeit führt.? Nichts könnte der Wahrheit ferner sein, was die Mitglieder [unserer] Kirche betrifft. Lassen Sie mich drei, vier Punkte anführen, die deutlich machen, was ich meine:

  • Zunächst einmal ist das Bildungsniveau der Mitglieder der Kirche sehr hoch. Die Führung der Kirche hat Bildung schon immer gefördert, sodass derzeit etwa 60 Prozent der Mitglieder in den Vereinigten Staaten eine höhere Schulbildung genossen haben, während der Landesdurchschnitt bei etwa 50 Prozent liegt. Die Mitglieder der Kirche sind also relativ gebildet.

  • Zweitens finden keine Heiratsabsprachen statt. Die Mitglieder der Kirche finden ihre Partner auf ganz normalem Wege. Sie suchen sie sich selbst aus, und das Durchschnittsalter bei der Eheschließung liegt bei etwa 23 – bei den Männern liegt es etwas höher. In dieser Gruppe werden keine Ehen arrangiert.

  • Drittens üben die Mitglieder sämtliche in ihrem Heimatland üblichen Berufe aus. Sie leben nicht abgeschieden vom Großteil der Gesellschaft. Sie sind in keiner Weise isoliert, kleiden sich nicht auf eine bestimmte Weise und tragen auch keine besonderen Frisuren oder etwas in der Art, was sie von der Gesellschaft, in der sie leben, unterscheiden würde. Wenn man also so etwas liest – wo es bei uns doch gar keine Polygamie gibt und die Mitglieder sich gar nicht in so etwas einlassen dürfen, weil sie sonst aus der Kirche ausgeschlossen würden –, dann bereitet das den Mitgliedern der Kirche große Sorgen. Und das ist der Grund, weshalb wir von solchen Berichten Abstand nehmen."

 

Zurück zum Artikel