Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage
Von Mensch zu Mensch - 04. August 2008

Von: Shaun D. Stahle

Straßenmusikant findet das Evangelium

Missionare lernen jungen Ungarn während seines Aufenthalts in Skandinavien kennen

Dieses stattliche Haus diente der Kirche als erstes Versammlungsgebäude in Budapest; es wurde am 17. Oktober 1989 von Präsident Thomas S. Monson geweiht. Andras Csepai besuchte hier mit weiteren Mitgliedern anfangs die Versammlungen der Kirche.

Andras Csepai ging in Schweden einer seiner Lieblingsbeschäftigungen nach, nämlich an einer Straßenecke zu singen, als zwei Missionarinnen stehen blieben, um ihm zuzuhören. Drei Tage später ließ er sich taufen.

„Sie sprachen mich an“, berichtet Bruder Csepai. „Ich spürte, dass ein besonderer Geist von ihnen ausging. Irgendwie unterschieden sie sich von anderen. Ich wusste nicht, warum – aber ich verspürte den Geist. Die Kirche, die mir da vorgestellt wurde, kannte ich nicht.“

Am nächsten Tag nahm er die zweite Lektion durch. Bevor er am dritten Tag nach Ungarn zurückkehrte, war er bereits getauft.

Andras, Jahrgang 1955, war im sozialistischen Ungarn in einem religiös geprägten Elternhaus aufgewachsen. Mal war er mehr, mal weniger an Religion interessiert. Meistens jedoch glaubte er daran, dass es einen Gott gibt.

1988 erhielt er eine Sondererlaubnis, Skandinavien besuchen zu dürfen, wo er bei Freunden wohnte. Jeden Morgen fuhr er mit der Fähre über das Meer von Dänemark ins schwedische Helsingborg. Dort brachte er den Passanten Ständchen dar und lebte von den milden Gaben anderer.

„Ich dachte ziemlich ernsthaft über Religion nach. In dem Jahr hatte ich besonders aufrichtig zum himmlischen Vater gebetet, dass er mir helfen möge“, erinnerte er sich später bei einem Gespräch, das ein Vertreter der Geschichtsabteilung der Kirche 1997 mit ihm führte.

„Während der zweiten Lektion wurde der Geist überreichlich ausgegossen. Mein ganzes Leben lang werde ich nicht vergessen, was damals geschah … Diese zweite Lektion war der Wendepunkt in meinem Leben. Ich spürte, dass dies die Antwort für mich war.“

Da er ein brennendes Zeugnis im Herzen hatte, ließ er sich am 30. Juli 1988 taufen. „Ich hatte das Glück, dass ich nach meiner Taufe gleich eine kleine Ansprache halten durfte“, meint er. „Vieles wusste ich einfach nicht … Aber ich spürte etwas, was vom Herrn kam … Was ich verspürte, rührte meine Seele im Innersten an.“

Nachdem er nach Ungarn zurückgekehrt war, war er versessen darauf, ständig etwas dazuzulernen. „Das Lernen schenkte mir ungemeine Befriedigung. Jedes Mal, wenn ich das Evangelium studierte und betete, verspürte ich wieder den Geist“, sagt er. „Ich hielt mich selbst dazu an, immer zu studieren und weiterzulernen.“

Er fand heraus, dass sich sämtliche Mitglieder der Kirche in Ungarn in einer kleinen Wohnung in Pest versammelten. Es gab zwar nur wenige Mitglieder, dafür wuchs die Zahl aber rasch. Ein halbes Jahr später, am 6. Januar 1989, wurde der erste Zweig in Budapest gegründet. Peter Varga, ein Chirurg, wurde als Zweigpräsident berufen, und so gehörte Bruder Csepai zu den allerersten Mitgliedern der Kirche in Ungarn.

Gern denkt er an das erste Gemeindehaus in Ungarn zurück, das am 17. Oktober 1989 von Präsident Thomas S. Monson, dem damaligen Zweiten Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft, geweiht worden war. Die jungen Mitglieder der Kirche freuten sich unbändig darüber, dass sie dieses renovierte Gebäude für ihre Gottesdienste nutzen konnten.

„Als ich daran dachte, wie sich die (neugetauften) Mitglieder ändern, wie die Menschen das Evangelium annehmen, spürte ich wirklich, dass dies die Kirche des Herrn in Ungarn ist“, meint Csepai.

Noch bevor die ersten zehn Jahre seiner Mitgliedschaft verstrichen waren, wurde Bruder Csepai als Erster Ratgeber in die Missionspräsidentschaft berufen. So bekam er die Gelegenheit, das Land zu bereisen und das Wachstum der Kirche in ganz Ungarn mit eigenen Augen zu sehen.

„Das Beste, was ich für die Menschen tun kann, ist, ihnen ein gutes Vorbild zu sein und mein Zeugnis zu geben. Das ist das Wichtigste, was ich bei dieser Berufung gelernt habe“, erklärt er.



Andras Csepai ist derzeit Leiter der Jungen Männer in seiner Heimatgemeinde Buda im Pfahl Budapest und engagiert sich auch weiterhin in der Missionsarbeit.