Von Mensch zu Mensch - 15. April 2008 |

Veronika Versic, 88, wartet sehnlich darauf, ihren Enkel und Urenkel kennenzulernen. Durch ihren Glauben und die liebevolle Aufmerksamkeit zweier Missionarinnen wurden ihre letzten lebenden Angehörigen in Australien ausfindig gemacht.

Nachdem er jahrelang nach seiner Großmutter gesucht hat, werden Marc Versic und sein achtjähriger Sohn Andreas sie endlich kennenlernen.
LJUBLJANA, SLOWENIEN Veronika Versic, 88, wartet gespannt auf das Ergebnis ihres Wunders. In wenigen Wochen wird sie einen Enkelsohn in ihrem Leben willkommen heißen, nach dem sie fast vierzig Jahre gesucht hat.
Es begann damit, dass sie den Glauben hatte, sich im Alter von 81 Jahren der Kirche anzuschließen, und weil zwei Missionarinnen sich die Zeit nahmen, eine Vollzeitmission in Slowenien zu erfüllen.
Schwester Versic hat jetzt ein Bild von ihrem Enkelsohn, Marc Versic, der in Australien geboren wurde und dort lebt, und seinem Sohn Andreas, der fast acht Jahre alt ist. Ihr Treffen wird in wenigen Wochen stattfinden. Sie hofft, dass sie im Laufe dieses Jahres auch ihren Urenkel kennenlernen wird.
Marc Versics Vater, Mirko Fric Versic, ist Schwester Versics Sohn. Er kam am 13. Februar 1942 zur Welt. Als junger Mann verließ er Slowenien und wanderte nach Australien aus, wo er Marcs Mutter Lorraine heiratete. Marc wurde am 30. Dezember 1964 geboren.
Tragischerweise kam Mirko Versic am 8. November 1966 bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Marcs Mutter heiratete noch zwei Mal und verlor auch den zweiten Ehemann durch einen Unfall.
Bis zu ihrer dritten Ehe bekam sie eine ganze Reihe Kinder, verlor dann aber nach einem Umzug den Kontakt zu ihrer ersten Schwiegermutter, Schwester Versic.
Schwester Versic blieb nur eine Frage: Würde sie ihren Enkel Marc jemals kennenlernen? Sie wusste nicht, ob Lorraine wieder verheiratet war und ob ihr neuer Mann Marc adoptiert und ihm seinen Familiennamen gegeben oder ob dieser den Familiennamen seines Vaters, Versic, behalten hatte.
Jahre vergingen, ohne dass sie Kontakt hatten, und es gab keinen Weg, ihren Enkel zu finden.
Der Wunsch war jedoch nicht einseitig. Marc Versic hatte seinen Familiennamen nicht geändert. Auch er hatte schon immer den Wunsch gehabt, seine Großmutter zu finden, die einzige Verwandte in Slowenien, von der er wusste.
Im August 2007 fuhr Marc nach Slowenien, wo er im ganzen Land nach seiner Großmutter suchte. Er fragte sogar in dem Dorf, in dem sein Vater geboren worden war, nach ihr, aber vergeblich. Seine Großmutter war fortgezogen, und niemand wusste wohin. Er verließ Slowenien mit dem Gedanken, dass er sie wohl nie finden würde.
Am 2. September 2000 wurde Veronika Versic Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Seit 2001 hat sie mindestens einmal im Jahr den Tempel in Frankfurt besucht, eine Busfahrt von 12 Stunden. Mit Begeisterung hat sie nach ihren Vorfahren geforscht und den Tempel aufgesucht, um die errettenden heiligen Handlungen für sie zu vollziehen.
Aus dem Wasser der Taufe kamen noch weitere Segnungen. Sie war gesünder denn je und konnte nun gehen, ohne einen Stock zu benutzen. Aber noch immer blieb ihr Gebet, ihren Enkel Marc zu finden, unerfüllt.
Im Jahr 2007 erhielt sie ihren Patriarchalischen Segen auf Deutsch. Dieses sprachliche Hindernis konnte sie aber überwinden, da sie sich noch ein wenig an die deutsche Sprache erinnern konnte, die sie während des Zweiten Weltkrieges gelernt hatte, als alle Slowenen Deutsch sprechen mussten.
Während sie im Jahr 2007 den Frankfurt-Tempel besuchte, konnte sie von einem Patriarchen aus Österreich ihren patriarchalischen Segen erhalten.
In dem Segen wurde ihr verheißen, dass sie ihren Enkel finden würde.
In der Zwischenzeit traten im Jahr 2006 Schwester Karyl Lee Rodabough aus Woods Cross in Utah und ihre Schwägerin, Schwester ReNae Ashton, eine Vollzeitmission in Slowenien an. Mit ihrer Hilfe wurde in Ljubljana eine Genealogie-Forschungsstelle eingerichtet.
Durch diese Arbeit lernten sie Schwester Versic kennen und erfuhren von deren Suche nach ihrem Enkel. So stellte Schwester Rodabough im September 2006 eine Nachfrage auf die Webseite www.ancestry.com.au.
Am 2. Januar 2008 geschah das Wunder. Schwester Rodabough war zu Hause in Utah, als Marc Versic aus N.S.W. in Australien durch eine E-Mail mit ihr in Verbindung trat. Er schrieb, die Beschreibung treffe auf ihn zu.
Schwester Rodabough rief ihn sofort an. Als sie sich gegenseitig von ihrer Suche erzählten, vergossen beide schließlich Freudentränen. Damit ging auch Marcs Wunsch in Erfüllung, der dachte, dass er seine Großmutter wohl nie finden würde.
Großmutter und Enkel sind glücklich, halten Kontakt und warten nun auf den Augenblick, in dem sie zusammenkommen werden.
Wenn Menschen Glauben haben, alles tun, was sie selbst tun können, und den Rest dem Herrn überlassen, vollbringt der Herr Wunder. Und dies ist zweifellos ein Wunder aus unserer Zeit.