Von Mensch zu Mensch - 09. April 2008 |

Amy Isaac vom BYU-Ensemble „Living Legends“ führt einen nordamerikanischen Phantasietanz vor.

Bei gemeinsamen Aufführungen von der BYU Hawaii und Bildungseinrichtungen des Gastlandes werden sich die Darsteller schnell einig – so wie hier mit Studenten der Universität Sinkiang in Urumtschi, China.

Gina Smith vom Konzertchor der BYU Hawaii mit zwei Kindern aus einem Waisenhaus in Sian. Oft gehen die Konzerteinnahmen an wohltätige Einrichtungen.

Das „BYU Folk Dance Team“ auf der Europatournee 1967.

Studenten der Nankai-Universität in Tientsin und der BYU Hawaii nach einem gemeinsamen Konzert. Im Handumdrehen hatte man Freundschaft geschlossen. Die chinesischen Studenten hatten das Shaka-Zeichen und den Aloha-Gruß schnell von den Hawaiianern gelernt.
Als Janie Thompson 1952 von der BYU damit beauftragt wurde, eine kleine Gruppe von Studenten zu leiten, war das ein Abstieg von ihrem bisherigen Leben. Sie hatte als Sängerin Preise gewonnen und war mit Entertainern wie Tony Bennett vor Soldaten in Übersee aufgetreten.
In den ersten Monaten in dieser Aufgabe – ohne Budget, Tontechniker oder genügend Platz für Proben – deutete nichts darauf hin, dass die Gruppe mit ihren Talenten einmal weltbekannt werden würde. Nach dem Zweiten Weltkrieg reisten die Darsteller einfach im Gebiet der Rocky Mountains herum, um Studenten für die Universität anzuwerben. Schwester Thompsen leitete diese Gruppe von Sängern und Tänzern vom sogenannten Programmbüro aus als Tanz- und Gesangslehrerin, Maskenbildnerin, Choreographin und Komponistin. Trotz fehlender Hilfsmittel machte die talentierte Truppe großen Eindruck auf alle, die sie sahen. Man schreibt es heute hauptsächlich ihrem Talent und Ehrgeiz zu, dass eine Grundlage für zahlreiche Ensembles gelegt wurde, die für die BYU die Welt bereisen und der Kirche nicht nur viele Sympathien einbringen, sondern ihr auch ausgezeichnete Gelegenheiten verschaffen, Missionsarbeit zu leisten.
Ob mit Tänzen vor tausenden Zuschauern auf einem Marktplatz in Warschau, mit Gesangsdarbietungen auf der Chinesischen Mauer oder mit einem Jazz-Programm für junge Leute in Chile – kaum jemand hat im Ausland so großen Einfluss gehabt wie das Ensemble des Bildungswesens auf seinen Tourneen.
Über 55 Jahre nachdem die erste Gruppe sich hinauswagte, um ihre Talente vorzuführen, sind unter der Leitung der Tourneeveranstalter des Bildungswesens der Kirche mehr als 40 Ensembles entstanden, die weit und breit die Zuschauer mit ihrem unglaublichen Talent und einnehmenden Wesen anrühren (siehe „Life of music exceeds wildest expectations“, Church News, 1. September 2001).
Jedes Jahr reisen Darsteller von der BYU, der BYU Hawaii, der BYU Idaho und von verschiedenen Religionsinstituten der Kirche durch die USA und ins Ausland, beteiligen sich an internationalen Ausscheidungen, treten in einigen der renommiertesten Orte vor tausenden von Zuschauern auf, veranstalten Vorträge für Mitglieder der Kirche und spenden einen Großteil ihrer Einnahmen gemeinnützigen Einrichtungen vor Ort. Eines ihrer zahlreichen Ziele besteht darin, bei den Studenten das Verständnis für andere Länder und Sitten zu vertiefen und umgekehrt auch in der Welt durch hochwertige Vorführungen das Verständnis für die Kirche und ihre Mitglieder zu erweitern. Der Konzertchor der BYU Hawaii bereiste im Jahr 2007 China und die Mongolei und trat in der Konzerthalle der Verbotenen Stadt und an der Chinesischen Mauer auf.
Emiko Dodson, ein japanischer Student an der BYU Hawaii, sagt über seine Erfahrungen in China: „Ich wusste vorher nicht viel über dieses Land. Wir sind zwar auch Asiaten, aber anders. Bei der Begegnung mit den Menschen hier wurde mir bewusst, wie sehr wir uns ähneln. Ich habe die Menschen hier sehr gern.“
In Sinkiang, einer autonomen Region im äußersten Westen Chinas, gehört etwa die Hälfte der Einwohner dem Turkvolk der Uiguren an. Sie sprechen neben ihrer eigenen Sprache auch Mandarin. Nachdem der Chor Lieder auf Chinesisch und Uigurisch gesungen hatte, sagte der Vizegouverneur von Sinkiang durch einen Dolmetscher: „Sie haben in unseren Sprachen gesungen, und das zeigt mir, dass der Chor ein sehr hohes Niveau hat. Ich werde diese Aufführung nie vergessen, und ich glaube, das Publikum auch nicht. Man kann sehen, dass Ihre Studenten uns wirklich gern haben.“ Diese Zuneigung zeigt sich auch in den Dienstprojekten, die zu jeder Tournee gehören.
Die Studenten machen unschätzbare Erfahrungen, wenn sie Waisenhäuser und Krankenhäuser besuchen, die von den Konzerteinnahmen profitieren, die ihnen zum Großteil zufallen.
Was Oscar Murillo, der kürzlich Examen gemacht hat, ursprünglich für eine erholsame Art hielt, seine Studienzeit zu beenden, wurde zu einem unvergesslichen Erlebnis. Er begleitete 2007 als Koordinator für die Tournee der BYU Idaho in Chile zwei Jazzformationen als Dolmetscher und besuchte mit ihnen ein Krankenhaus in Concepción.
„Ich mag keine Krankenhäuser“, sagt er, „etwas Schlimmeres gibt es nicht für mich.“
Als er die Kinderstation betrat, wo einige Sänger spontan eine Vorstellung gaben, sah er ein zweijähriges Mädchen, das nach einer gerade erst überstandenen Operation einer Gaumenspalte noch blaue Flecken im Gesicht hatte.
„Sie weinte“, erzählt Oscar, „und meine Tochter war damals gerade drei Jahre alt … Ich dachte an meine Tochter und daran, wie dankbar ich bin, dass sie noch nie allein im Krankenhaus war. Dieses kleine Mädchen war ganz allein dort und weinte. Da musste ich auch weinen. Ich spürte den Geist wirklich sehr stark.“ Eine der Sängerinnen verließ die Gruppe, ging zu dem kleinen Mädchen und tröstete es, bis es aufhörte zu weinen.
Bruder Murillo sagt, als er dies sah, „dachte ich daran, was Jesus für uns getan hat. Das Krankenhaus war voller Menschen, die die Liebe und den Geist brauchten, den wir hatten.“
Als Botschafter einer von der Kirche geförderten Einrichtung merken die Studenten bald, dass ihr Beispiel viel mehr über die Kirche aussagt, als Worte es könnten.
Eleece Sherwood, eine Absolventin der BYU Idaho, begleitete die Gruppe „Sound Alliance“ als Trompeterin. Vor der Abreise hielt der Präsident der BYU Idaho, Kim B. Clark, einen Vortrag, bei dem er den Studenten sagte, die Reise werde wegen des Beispiels, das sie geben, eher eine Mini-Mission als eine Tournee durch Chile.
Eleece hatte in der Spanien-Mission Bilbao gedient und war eine der wenigen Studentinnen, die Spanisch sprachen. Nach einem Konzert saß sie beim Essen an einem Tisch mit dem Bürgermeister von La Florida, einem Vorort in der Provinz Santiago.
„Wir unterhielten uns nur so“, erzählt sie, „und zwar über alles, angefangen beim Wetter bis zu dem, was wir in unserer Kirche glauben.“ Am Ende des Abends traten dem Bürgermeister, der vorgefasste Ansichten über die Kirche gehabt hatte, Tränen in die Augen, und er sagte: „Ihr seid etwas Besonderes. Ich hatte keine Ahnung, dass das so ist.“
Wenn die verantwortlichen und führenden Persönlichkeiten eines Landes durch eine hochwertige Aufführung einen anderen Eindruck von der Kirche bekommen, fühlen sich auch die dortigen Mitglieder bestätigt. Sie spüren, dass ihr Ansehen steigt, wenn ihre Mitmenschen merken, dass die Kirche Jesu Christi mehr vorzuweisen hat als die Gemeindehäuser und die Missionarspaare, die man auf der Straße sieht.
Harte Arbeit und die Opfer vieler unbesungener Helden haben im Laufe der Jahre die CES-Tourneen zu dem gemacht, was sie heute sind. Heutzutage können sich die Darsteller auf Beleuchtungs- und Tontechniker, Choreographen und Tanzlehrer verlassen, um einen glänzenden Auftritt zu bekommen, aber als Janie Thompson ihre erste Reise nach China unternahm, waren die jungen Leute, wie sie sagt, „alles, was ich hatte, und alles, was sie hatten, war ich – und der Herr“.
Die erste Fahrt nach Asien wurde nicht von der BYU gefördert. Schwester Thompson hatte eine Gruppe ihrer Studenten dafür angeworben, im Rahmen der Truppenbetreuung vor Soldaten in Übersee aufzutreten. Auf diesen Reisen hatten sie jeden zehnten Tag frei.
„Ich hatte hochfliegende Pläne“, erzählt Schwester Thompson. „Was ich wollte, war, den Missionaren Türen zu öffnen.“ Um die Verpflichtungen im Rahmen der Truppenbetreuung nicht zu beeinträchtigen, fragte Schwester Thompson, ob die Gruppe an ihren freien Tagen eine Vorstellung für die Mitglieder der Kirche in der Umgebung geben könne. Sie erhielt zur Antwort, dass die Darsteller einen Tag frei hätten, damit sie nicht krank oder müde wurden und den Zeitplan einhalten konnten.
Sie erwiderte: „Wir sind ja nicht zum Einkaufen oder der Sehenswürdigkeiten wegen hier. Das ist zwar alles schön und gut, aber wir wollen auftreten. Wir werden hier nicht genug gefordert.“ Und so begann man, in der Freizeit Vorstellungen für Mitglieder der Kirche zu geben. Es wurde sogar ein Bus zur Verfügung gestellt.
Am Hauptsitz der Kirche trafen zahlreiche Briefe von Missionspräsidenten ein, die sich für die Arbeit der Gruppe in ihren Ländern bedankten. Vor allem diese Briefe trugen viel dazu bei, dass die Kirche schließlich ein Programm auflegte, das ganz darauf abzielte, mit Tourneen eine positive Einstellung gegenüber der Kirche und den von ihr unterstützten Einrichtungen zu fördern.
Ed Blaser, der Leiter des Managements für die darstellenden Künste an der BYU, weiß noch, wie die Young Ambassadors 1979 zum ersten Mal offiziell als Vertreter der BYU nach China flogen.
„Sie nahmen in Hongkong den Zug nach Kanton“, sagte er, „aber ehe die chinesischen Behörden sie dort ins Flugzeug steigen ließen, mussten sie an Ort und Stelle auf dem Flugplatz auftreten, um zu beweisen, dass ihr Programm anständig und maßvoll und für das chinesische Publikum geeignet war.“
Wie Bruder Blaser berichtet, war man seither 24 Mal dort auf Tournee, sodass die BYU jetzt „wegen ihrer Ensembles die bekannteste amerikanische Universität in China“ ist.
Wenn man Schwester Thompson fragt, wie ein Studentenensemble, das nicht einmal einen Tourneebus hatte (wer beim Programmbüro eine Show bestellte, musste nämlich für den Transport der Darsteller selbst sorgen), solch ein Ansehen erlangen und die Tourneen zu dem machen konnte, was sie heute sind, verweist sie auf das Buch Lehre und Bündnisse, worin der Herr geboten hat: „Die Menschen sollen sich voll Eifer einer guten Sache widmen und vieles aus ihrem eigenen, freien Willen tun.“ (LuB 58:27.) „Das traf auf uns genau zu“, sagt sie. „Wir waren bestimmt voll Eifer. Wir taten alles aus unserem eigenen, freien Willen. Die jungen Leute lernten, wirklich gute Dienste zu leisten, weil sie es wollten.“