Neues aus Deutschland - 16. Mai 2007 |
Treue Eltern bereiteten den Weg für ein Leben, das durch Dienen gekennzeichnet ist.
Als Elder Erich Kopischke vor etwa vier Jahren als neuer Präsident der Deutschland-Mission Berlin zum ersten Mal den Zweig Prenzlau betrat, ähnelte er so sehr seinem Großvater, der dort als junger Mann gelebt hatte, dass einige langjährige Mitglieder einstimmig ausriefen: "Erich ist wieder da!"
Was die typischen Charaktereigenschaften seiner Familie betrifft, ist bei Elder Kopischke, der den Namen seines Großvaters trägt, der Apfel nicht weit vom Stamm gefallen. Auch was geistige Eigenschaften angeht, führt er das reiche Vermächtnis seiner Familie fort.
„Ich habe erlebt, wie meine Eltern für ihren Glauben alles geopfert haben“, erzählt er. „Sie waren mir immer ein großes Vorbild. Ihr Glaube und ihre Opferbereitschaft haben uns Kinder stark beeinflusst.“
Elder Kopischke wurde am 31. März im Alter von 50 Jahren in das Erste Kollegium der Siebziger berufen. Zuvor war er in Deutschland nach seiner Entlassung als Missionspräsident noch einige Monate als Gebietssiebziger tätig gewesen.
1956, noch bevor Elder Kopischke geboren war, erkannten seine Eltern, dass sie in der sozialistischen DDR niemals uneingeschränkt nach ihrem Glauben leben könnten. Sie hatten das Gefühl, dass sie es irgendwie nach Westdeutschland schaffen mussten.
Der Glaube war für sie, seit sie sich im Zweiten Weltkrieg der Kirche angeschlossen hatten, ein Teil ihres Lebens. Elder Kopischkes Vater war zehn Jahre alt, als ein Junge aus der Nachbarschaft ihn im heute polnischen Stettin zur Sonntagsschule einlud.
Weil der Vater sich für die Kirche interessierte, wurden auch die Großeltern neugierig. Sie befassten sich mit dem Evangelium und schlossen sich zusammen mit Elder Kopischkes Tante bald der Kirche an.
Als der Vater Jahre später vom Militär eingezogen wurde, versprach er einer hübschen jungen Frau, dass er sie nach seiner Rückkehr heiraten werde, wenn sie sich der Kirche anschließe. Es blieb dann seiner Mutter überlassen, die zukünftige Braut mit dem Evangelium vertraut zu machen.
Nach der Eheschließung spürten die jungen Eheleute Kopischke, dass ihr Wunsch, Gott in Freiheit zu verehren, größer war als die Angst, auf der Flucht aus Ostdeutschland erschossen oder verhaftet zu werden.
Als Elder Kopischkes Mutter mit ihm im siebten Monat schwanger war, nahmen sie all ihren Mut zusammen und stiegen ohne Ausreisegenehmigung in einen Zug nach Westdeutschland ein. Ihre ganze Hoffnung ruhte auf dem Herrn.
Als der Zeug an der deutsch-deutschen Grenze anhielt, hörten sie Hilferufe, die ihnen durch Mark und Bein gingen. Die Grenzbeamten nahmen Personen ohne Ausreisegenehmigung fest.
Sie sahen, wie sich ein bewaffneter Grenzbeamter ihrem Abteil näherte. Gerade als er die Tür öffnen wollte, schaute er weg. Etwas musste seine Aufmerksamkeit erregt haben, denn er ging weg. Links und rechts von ihnen wurden alle Abteile kontrolliert, sie aber blieben unbemerkt und ihre Flucht gelang.
Sie ließen sich in Elmshorn nieder, einer Stadt nördlich von Hamburg unweit der dänischen Grenze. Dort kam Elder Kopischke zur Welt. Als Flüchtling fand sein Vater nur Anstellungen als Hilfsarbeiter. Die Familie hatte materiell nur wenig, aber was den Glauben betraf, war sie reich. In den folgenden Jahren gingen alle Söhne auf Mission und jedes der Kinder heiratete im Tempel.
Jahre später, als Elder Kopischke von seiner Mission in der Deutschland-Mission München zurückkehrte, gab es im Pfahl eine 18-jährige junge Frau namens Christiane, die neugierig war, was wohl aus dem Jungen geworden war, dem es in seiner Jugend auf jeder Tempelfahrt schlecht geworden war.
Sie hatte sich auf Anhieb in ihn vernarrt, aber erst einige Monate später, als er seinen Wehrdienst fast abgeschlossen hatte und als Ratgeber in die Bischofschaft berufen wurde, spürte sie, dass er sich ganz dem Herrn verschrieben hatte.
„Was für ein wunderbarer Mann“, dachte sie. Bei Aktivitäten der Jungen Alleinstehenden Erwachsenen lernten die beiden einander besser kennen. Sie heirateten am 18. Dezember 1978 im Bern-Tempel in der Schweiz.
Die nächsten Jahre brachten eine schwindelerregende Serie von Umzügen quer durch die Bundesrepublik mit sich -- zuerst in die Nähe von Hannover, dann nach Nürnberg, nach München und schließlich als Missionspräsident nach Berlin.
Jedes Mal ergaben sich Gelegenheiten, Zeugnis zu geben und Talente so einzusetzen, dass die Kirche zahlenmäßig gestärkt wurde und die Mitglieder sich mehr beteiligten.
In Stadthagen bei Hannover ließen sich die Kopischkes zusammen mit anderen jungen Ehepaaren manches einfallen, um ein aktives Kirchenleben zu fördern und zu erhalten. Zurückgekehrte Missionare heirateten und blieben der Gemeinde treu.
In dieser Zeit wuchs die Gemeinde von etwa 60 aktiven Mitgliedern auf 160 an. Oft, wenn Elder Kopischke von der Arbeit nach Hause kam, hatte seine Frau schon wieder einen Nachbarn zu einem gemeinsamen Essen mit den Missionaren eingeladen.
In Nürnberg wurde Elder Kopischke Pfahlpräsident, als der amerikanische Soldatenpfahl mit dem deutschsprachigen Distrikt Nürnberg zusammengelegt wurde.
„Alles lief zweisprachig ab“, sagt er. „Trotz der Sprachbarriere gewannen wir einander lieb. Beide Kulturen lernten voneinander. Wir bemühten uns sehr um gegenseitiges Verständnis. So arbeitete beispielsweise die deutsche JD-Leiterin mit einer amerikanischen Ratgeberin zusammen. Es war nicht einfach. Einige trauten sich nicht, den Mund aufzumachen. Doch wir wuchsen zusammen und hatten viel Erfolg.“
Eine Zeit lang brachen die Söhne der Kopischkes jedes Mal in Tränen aus, wenn ein Umzug an einen anderen Ort bevorstand. Mittlerweile ist es zu einer Lebensart geworden. Elder Kopischke folgt ja nur dem Beispiel seiner Eltern und Großeltern, die für das Reich Gottes ebenfalls viel herumgekommen sind und viel geopfert haben. Dabei haben er und seine Familie die Freude gefunden, „die sich einstellt, wenn man Opfer bringt“.