Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage
Neues aus Deutschland - 01. Dezember 2006

Von: Linda Hamilton

Ein Juwel aus Deutschland - Turnerin der University of Utah hat zahlreiche Erfahrungen im Ausland gesammelt

Ein Juwel aus Deutschland -- Turnerin der University of Utah hat zahlreiche Erfahrungen im Ausland gesammelt

Daria Bijak war selbst überrascht, als sie am 2. September ihren Titel bei den Deutschen Meisterschaften im Mehrkampf verteidigt konnte.

Im Juli erst war ein Meniskusschaden, den sie bei einem Trainingsunfall im Juni erlitten hatte, operiert worden, und so dachte sie, sie sei nicht gut in Form.

"Das hätte ich nicht gedacht, nein, ganz und gar nicht", sagte sie über ihren Sieg im Mehrkampf, den sie nun zum zweiten Mal in Folge errungen hat, und über den Titel im Stufenbarren, der am nächsten Tag dazukam. "Wegen meiner Verletzung konnte ich nicht so viel üben und trainieren, wie ich wollte."

Aus dem gleichen Grund (und weil der Umzug von Köln an die University of Utah am 19. August sie erschöpft und angestrengt hat, weil das Studium und das Training für die Turnermannschaft von Utah angefangen hat und weil sie zur Meisterschaft wieder in Deutschland war und dann nach Utah zurückkam und sich vorigen Donnerstag im Dumke Center einen Ellbogen erneut verletzt hat) glaubt Bijak auch kaum, dass sie den Erfolg vom letzten Herbst in Melbourne in Australien nächsten Monat wiederholen kann.

Bijak belegte bei der Mehrkampf-Weltmeisterschaft 2005 Platz 8.

Vom 13. bis 21. Oktober tritt sie in Aarhus in Dänemark das vierte Mal in Folge bei Weltmeisterschaften an.

"Von der nächsten Weltmeisterschaft erwarte ich eher gar nichts. Ich wäre schon überglücklich, wenn ich im Mehrkampf ins Finale käme, aber ich weiß es nicht", meint Bijak. "Ich glaube nicht, dass ich mehr erreichen kann, dazu ist der Abstand zwischen der Operation und dem Wettkampf einfach zu kurz."

"Es ist ziemlich schwierig, daran noch etwas zu ändern", sagt Greg Marsden, der Trainer von Utah, "weil ein neuer Schlüssel (ein neues Bewertungssystem) eingeführt wurde. Der alte Schlüssel kam ihr eher entgegen. Andererseits hätte wohl kaum jemand, sie selbst eingeschlossen, beim letzten Mal vorhergesagt, dass sie den achten Platz belegt. Daher kann meiner Meinung nach auch diesmal niemand vorhersagen, ob sie unter den neuen Bedingungen und bei ihrer derzeitigen Beeinträchtigung noch einmal so gut abschneidet. Ich finde, das kann man nicht erwarten."

Marsden zufolge geht es ihr nächsten Monat nicht nur darum, für ihr Land das Beste herauszuholen, sondern vor allem darum, einzuschätzen, wie es angesichts der Olympischen Spiele 2008 in Peking mit ihr weitergehen soll. Seiner Ansicht nach ist dies ihr Endziel.

"In Dänemark wird sie wohl nur ihr normales Programm abspulen. Ich glaube nicht, dass sie sonderlich darüber nachdenkt, wie sie bei dieser WM abschneidet."

Nächstes Jahr hat sie aber einen Heimvorteil, wenn die internationale Laufbahn fortgesetzt wird. Die Weltmeisterschaften 2007 finden in Deutschland statt -- "und das sind die Qualifikationsmeisterschaften für die Olympischen Spiele", sagt Marsden.

In Deutschland haben Turner nach der Schule wenig Gelegenheit zu trainieren, wenn sie ihre Ausbildung fortsetzen wollen. Als die Berlinerin Gritt Hofmann, die 2006 an der University of Utah ihr Examen ablegt, Bijak vorschlug, nach Utah zu kommen, war sie einverstanden. Nach Hofmann und Angelika Schatton (1997--2000) ist sie nun die dritte Deutsche in der Universitätsmannschaft.

Als Marsden ihr voriges Jahr ein Stipendium anbot, hatte Bijak bereits zwei Monate Mathematik studiert. Eigentlich hofft sie aber, eines Tages Filmschauspielerin zu werden. "Das ist schon seit meiner Kindheit mein größter Traum", sagt sie. Gefördert wurde dieser Traum von ihren Lehrern in der Schule. Dort hatte sie in Englisch an einer Theater-AG teilgenommen.

Gutem Rat zu folgen hat ihr schon oft Glück gebracht. Der Tipp, es einmal mit Turnen zu versuchen, kam von einer Kindergärtnerin. "Ich habe geübt und an Wettkämpfen teilgenommen und immer gewonnen. Darum habe ich damit weitergemacht", erzählt Bijak.

"Hier habe ich die Chance, zu studieren und zu turnen. Ich war schon 2003 hier und kannte daher Greg und Megan (Marsden, die Co-Trainerin). Sie fragten mich, ob ich herkommen wolle, und ich habe zugesagt."

2003 hatte die deutsche Mannschaft zehn Tage lang im Dumke Center trainiert. Bei der damaligen Weltmeisterschaft in Anaheim, Kalifornien, errang Bijak im Mehrkampf Platz 20 (bei der WM 2002 in Ungarn hatte sie Platz 16 am Schwebebalken belegt).

"Ich mache das gerne, aber es ist schon schwer. Alles ist anders, und meine Familie und meine Freunde fehlen mir", erklärt sie. Sie schließt zwar schnell Freundschaft, "aber es ist nicht das Gleiche". Sie hat einen "festen" Freund in Deutschland und eine enge Beziehung zu ihrer Mutter und ihrem älteren Bruder. Ihre Eltern ließen sich vor elf Jahren scheiden.

Die Mannschaft von Utah trainiert zwar neben ihr im Dumke Center, aber Bijak geht anders vor. Während die anderen Kraft und Ausdauer trainieren, turnt sie ein volles Programm.

"Alleine üben ist immer schwieriger als in der Gruppe, aber ich habe trotzdem nicht den Eindruck, als gehöre ich nicht dazu", sagt sie.

Die Trainer der Universitätsmannschaft seien gut, meint Bijak, aber sie kenne sie noch nicht so gut und vermisse daher den Trainer aus ihrem Verein.

Marsden hält zwar Kontakt mit ihrem deutschen Trainer, doch nachdem Bijak jetzt gut einen Monat da ist, übernimmt er das Training immer mehr selbst.

Schließlich beginnt im Januar eine neue Saison für die Universitätsmannschaft, und die wird wichtig, ist die University of Utah doch 2007 Gastgeberin der amerikanischen Universitätsmeisterschaften.

"Ich weiss noch nicht, was da auf mich zukommt", sagt Bijak über das Turnen an der Uni. "Ich möchte einfach noch mehr Erfahrungen sammeln."